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 Star Trek: Into Darkness – To boldly go where no man has gone before?

von Frank Baring

Seit 2009 ist nichts mehr so wie es Star Trek Fans weltweit gewohnt waren. Oder? J.J. Abrams hat mit „New Star Trek“ das Star Trek Universum neue Wege eingeschlagen. Reaktionen, Rezensionen und Stimmungen im Star Trek Fandom konnten unterschiedlicher nicht sein, gleichwohl gelang dem 2009er Kinoabenteuer zwei – aus meiner Sicht – großartige Leistungen: Star Trek kam in der Jetzt-Zeit an, interpretierte Roddenberrys Star Trek neu für eine neue Generation und hauchte Star Trek neues Leben ein. Dies gelang Abrams mit einer rasant-dynamischen Inszenierung, Action- und Spezialeffekte auf der Höhe der Zeit und einer gehörigen Prise Dialogwitz, die eines niemals verbreitete: Langeweile beim Zuschauer und Stupidität bei der Darstellung. Abrams schuf ein zeitgemäßes Narrativ, in dem das Zusammentreffen von Kirk, Spock und Co. nicht zu einer Wieder-, sondern vielmehr auch Neuentdeckung wurde. War die Zukunft von Star Trek gerettet? Dies musste in diesem Jahr das neue Kinoabenteuer „Star Trek: Into Darkness“ beweisen.

Am Trekdinner Mittelhessen gibt es eine Tradition, die in diesem Jahr gebrochen wurde. Unsere gewohnte Kinonacht bzw. der traditionelle Premierenbesuch musste in diesem Jahr ausfallen. Dies lag nicht zuletzt daran, dass „Into Darkness“ zur FedCon Premiere feierte und ich den Film mit einer größeren Gruppe Trekkies in Düsseldorf sah. Meine Erwartungen waren vorsichtig optimistisch. Die Frische und Zukunftsfähigkeit des 2009er Films hoffte ich auch in diesem Film würdig fortgesetzt zu sehen. Wie anschlussfähig war nun also „Into Darkness“? Wie sah die Star Trek Welt nach der Zerstörung Vulkans aus und wurde der Handlungsbogen glaubwürdig fortgesetzt? Die Fragen, die mich im Vorfeld beschäftigten, holte Abrams in „Into Darkness“ nur bedingt ab. Er ging New Star Trek so an, wie er es 2009 bereits getan hatte: Action-Reichtum, fesselnde Charaktere und eine mitreißende Story ließen kaum Zeit für den Zuschauer aufkommen, sich von den sprühenden Impressionen zu erholen, geschweige denn diese in gewisser Hinsicht sacken zu lassen.

Einer grandiosen Optik, die mitunter aber vor allem in Kampfszenen unübersichtlich wirkte, stand leider ein deutlich abgespeckter Dialogwitz gegenüber. Mein Bedauern wich aber der Einsicht, dass dieser Umstand nicht nur der Thematik und der Intimität der Figuren in einem tiefgreifenden Konflikt geschuldet, sondern auch Ausdruck des Kontrasts von Kirk & Co. sowie Khan war. Nicht nur die sich weiter vertiefende Freundschaft der Figuren, auch der Handlungsbogen, die den Zuschauer zu Khan und dessen Machenschaften führen, legen zwei Aspekte in den Mittelpunkt: Beziehung und Ernsthaftigkeit. Es scheint fast so, als ob hier die beiden Pole Actionszenen und Dialogwitz in Actionlandschaften und Ernsthaftigkeit aufgingen. Die Hauptthematik „Terror“ machte dies zwingend, sie vertiefte auch die Breite der Inszenierung von New Star Trek. Menschen, Fans und Interessierte, holt man heute mit Action-Reichtum und Dialogwitz erfolgreich ab, wenn man einen Film auf die große Leinwand bringt. Abrams Rezept ging 2009 auf.

Kirk, Spock & Co. gewinnen in „Into Darkness“ sichtlich ein Reife. Auch früher hatte die alte Darsteller-riege unterschiedliche Anteile in der Präsenz auf der Leinwand. Dies war hier nicht anders. So grandios Ricardo Montalban als Ur-Khan war, so eindringlich und omnipräsent war Cumberbatch als Neu-Khan. Auch Peter Wellers Darstellung hat mich begeistert, ähnlich wie bereits in der fünften Serieninkarnation „Star Trek: Enterprise“. Eine gefühlte Analogie zur Classic-Generation beschleicht mich seit 2009. Zacharay Quinto ist als Spock eine wunderbare Wahl. Wie Leonard Nimoy auch ist Quinto die ideale Besetzung und spannendste Figur. Er wird es bleiben, soweit bin ich mir sicher und auch dies ist Abrams Verdienst. Er hat es mit den Drehbuchautoren Damon Lindelof und Roberto Orci geschafft, den bekannten Figuren ihre Trennschärfe zu belassen und ihnen gleichzeitig neue Facetten abzugewinnen. Das sogenannte Reboot des Kino-Franchise mit der neuen Zeitline hat auch hier durch die Neu-Interpretation von Star Trek Möglichkeiten geschaffen, den Hauptfiguren Raum für zukünftige Geschichten zu geben. Doch Abrams begab sich aus meiner Sicht in einer Hinsicht auf einen falschen Weg: Khan als Symbol für den Metapher Terror.

Und so bleibt die größte Schwäche von „Into Darkness“: To boldly go where no man has gone before? Nein. Star Trek war in seinem Narrativ bereits bei Khan. Abrams hat die klassische Geschichte um Khan letztlich neu inszeniert, grandios für die Jetzt-Generation übersetzt und mit dem Besten umgesetzt, was Kino heute zu bieten hat. Gleichwohl leidet auch Star Trek nun an Hollywoods Krankheit, der Ideenarmut. Es ist die Gesamtaussage des Films, die mich mit Zwiespalt zurücklässt. Freude über einen grandiosen Film, der der beste Star Trek Film aller Zeiten hätte werden können und sich künstlerisch in gewisser Hinsicht entschied, dahin zu gehen, wo die Schöpfer von Star Trek bereits waren. 2009 ging Abrams Rezept auf. 2013 erkenne ich (noch) kein Konzept, welches Star Trek neue – originäre – Geschichten vermittelt. 2016 müssen die Star Trek Macher hier überzeugend nachlegen, sonst wird New Star Trek alt aussehen und auf grandiose Weise ausgetretenen Pfaden folgen. Star Trek, ich wünsche Dir: Lebe lang und erfolgreich!